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Informationen

Iuno

Iuno VA

Chinesisch: Jiang Yingjun
Japanisch: Lynn
Koreanisch: Yoon Eun Seo
Englisch: Ella Boyes

Iuno Forte-Untersuchungsbericht

Resonanzkraft

Stillstand, Kreislauf, Erneuerung

Resonanz-Bewertungsbericht

[Auszug aus dem Priesterinnen-Register, Vierecktempel] Dieser Eintrag betrifft die 127. Priesterin des Vierecktempels, bekannt als Iu▇. Sie wurde in der Nacht geboren, als der Mond hinter dem Horizont versank. Als angeborene Resonatorin soll sie die Kraft besitzen, mit ihren Augen ▇▇▇▇. Ihr Tacet-Zeichen befindet sich auf ihrem linken Fuß. Wenn sie ihre Resonanzkraft aktiviert, manifestieren sich um sie herum ▇▇-Energiekonstrukte in Form von Mondphasen, und die Spitzen ihrer Haare werden durchsichtig und strahlen ein sanftes Leuchten aus, das fast nicht von echtem Mondlicht zu unterscheiden ist. Eine Resonanz-Spektralanalyse zeigt, dass ihre Kraft außerordentlich genau mit dem Frequenzmuster des natürlichen Mondes übereinstimmt und eine kontinuierliche, phasenähnliche Modulation aufweist. Bemerkenswert ist, dass ihre Kraft vor drei Jahren ▇▇▇▇ erschien. Sie wurde zum Veran▇ und Mani▇ fähig, wodurch sie Mondlicht zu festen Pfeilen formen kann, die markierte Monster aufdecken, die sich in der Dunklen Flut verst▇. Als wir diesen Eintrag archivierten, bat uns Großmutter Lilibet, ihn mehrmals zu überprüfen. Seltsamerweise konnte sich niemand von uns daran erinnern, wer ihn ursprünglich geschrieben hatte. Und noch seltsamer ist, dass sich niemand an die hier beschriebene Priesterin zu erinnern scheint. Kann eine so mächtige Priesterin wirklich existiert haben? Irgendwie fühlt sich diese aus dem Nichts aufgetauchte Aufzeichnung an, als hätte das Mondlicht selbst sie verfasst.

Overclock-Diagnosebericht

[Auszug aus dem Priesterinnen-Register, Vierecktempel] Dieser Eintrag betrifft die 127. Priesterin des Vierecktempels. Das Wellenmuster dieser Priesterin bleibt weitgehend innerhalb kontrollierbarer Parameter, ohne Anzeichen für ein Risiko der Übertaktung. Es wurden jedoch mehrere Unterbrechungen unterschiedlicher Dauer beobachtet, begleitet von einem allmählichen und kontinuierlichen Rückgang ihrer Frequenz. Dies deutet auf einen möglichen Zustand langfristiger Erschöpfung hin. Die Ursachen hierfür sind noch unbekannt. Die Priesterin hat weitere Untersuchungen abgelehnt und zeigt nur begrenzte Bereitschaft, sich näher zu diesem Thema zu äußern. Es ist offensichtlich, dass sie weit mehr über ihren eigenen Zustand weiß, als sie zugeben möchte. Aber wenn dieses Wellenmuster weiter unter den kontrollierbaren Bereich sinkt oder sogar auf Null fällt … was könnte dann passieren? Hat sie wirklich keine Angst? Oder hat sie bereits eine Möglichkeit gefunden, einzugreifen?

Iuno Geschätzte Gegenstände & Gefälligkeiten

Gebrochene Wiedergeburt
Gebrochene Wiedergeburt
Ein gebrochener Ast wuchs aus einer ehemals offenen Wunde. Er gleicht dem Lunarum-Ast, den du einst im Chaos geformt hattest. Doch Iunos Bogen ist bereits gefertigt, also hat ein makelloser Ast keine große Bedeutung mehr. Der einfache Ast hat die Strapazen des Schicksals überstanden und ist nicht länger eine Opfergabe – er ist undefiniert, unbeschwert und frei. Jetzt ist der einzige Unterschied, dass du und Iuno endlich beobachten können, wie er in Ruhe wächst, in der ungeschriebenen Zukunft jenseits des letzten Endes. Ein junger Sprössling passt zu einem neuen Anfang, einem verwurzelt in Hoffnung.
Etwas Anspannung
Etwas Anspannung
Diese Sammlung ungleichmäßiger, asymmetrischer Würfel gehört Iuno. Septimontianer suchen die Freude in ihren Wettkämpfen, sei es das Spektakel der Gladiatorenkämpfe oder die Aufregung freundschaftlicher Wetten. Iuno ist da nicht anders. Sie findet aber mehr Gefallen am Glücksfall als an der Verlässlichkeit. Angefangen mit einem einfachen, zwölfseitigen Würfel, fügt sie ihren Spielen nach und nach zufällig weitere Einschränkungen und Belohnungen hinzu. So erscheinen immer mehr seltsame Würfel, jeder für ein eigenes kleines Spiel. Mit uneinheitlichen Seiten und Symbolen, die mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit erscheinen, ist auf die Chancen kein Verlass. Doch mit gleichen Regeln und gleichen Würfeln, akzeptieren beide Spieler die gleichen Risiken. So ist die Fairness des Spiels trotzdem gesichert. Tatsächlich verpasst sie ihren langen, unsicheren Mühen so etwas Aufregung. Indem sie gerade so ein Vorhersagen des Ergebnisses verhindert, widersteht sie der Anziehungskraft des Unabwendbaren.
Permanenz gemessen an Momenten
Permanenz gemessen an Momenten
Eine Sofortbildkamera und eine Handvoll Fotos, auf der Iunos Silhouette noch sichtbar ist. Das Gerät, von den Montellis nach Septimont gebracht, weckte schnell Iunos Faszination. Bald fand sie darin stillen Zweck: Die flüchtigen Momente des Glücks, der Trauer und der stillen Beziehung zu anderen aufzunehmen und sie auf diesen empfindlichen Drucken zu bewahren. Jedes Foto war eine Absicherung, ein kleiner Widerstand gegen die Nebeneffekte ihrer Anker-Fähigkeit, welche ihre Präsenz in den Erinnerungen der Personen um sie verschwimmen ließ. Und mit der Zeit konnte sie sich so auf das Unabwendbare vorbereiten: den Moment, in dem sie vollständig verschwinden würde. Selbst wenn jene, die sie einst kannten, sie nun vergessen haben, selbst wenn die Bilder beginnen, zu verblassen, was einmal erfasst ist, währt ewig. So verschwommen sie sein mögen, diese wunderschönen Momente waren echt. Sie sind geschehen und sie sind Zeugen ihrer Existenz.

Iuno Geschichte

Anfangs schloss sie ihre Augen
Iuno erwachte wie aus tiefem Wasser gezogen.

Luft strömte nach und nach in ihre Lungen. Die Steinstufen unter ihren Füßen waren kalt und hart. Ihre wachsende Sinnesempfindung überraschte sie. Zu klar, zu real. Zu verschwinden, bedeutet, dass nichts zurückbleibt. Die Vergangenheit, die Gegenwart sowie alles, was hätte sein können … Nichts als Stille. Sie hatte den Preis ihres Verschwindens bereits akzeptiert. Warum dann war sie einem wasserdurchtränkten versunkenen Wrack gleich noch da?

Tatsächlich wusste sie nicht einmal, wo sie war. Alles in ihrer Umgebung wirkte normal, hatte aber eine schwere, schwerfällige Anziehungskraft, als ob die Zeit gleich stillstehen könnte. Nur der Weg unter ihr führte weiter. Er war feucht, rissig und doch hartnäckig. Also lief sie. Jeder Schritt fühlte sich so an, als würde sie über kalte Knochen schreiten und sie tiefer ins Unbekannte führen.

Lauf weiter.

Das war, was Iuno als Kind am meisten getan hatte. Sie lief über Stein, Moos, Blüten und sogar über sprudelnden Quellen. Sie brauchte nie einen Grund, suchte nie nach einem Sinn. Sie konnte einfach nicht still sitzen. Der einfache Gedanke an ungesehene Orte und neuen Sachen, die es zu probieren galt, erfüllte sie mit Freude. Sie wollte alles empfinden.

Ihre Mutter, Sibylla, war möglicherweise die einzige Person, die verstand, wie man so ein Kind erzieht: ein Freigeist, wild, aber nie arrogant. Sibylla setzte ihr nicht mit edlen Regeln Grenzen. Sie ließ ihr freien Lauf und erlaubte ihr, ihren Sehnsüchten nachzugehen. Es gab nie nur einen Weg. Welchen auch immer Iuno wählte, ihre Mutter erwartete sie immer an dessen Ende.

Jener Tag begann wie so viele zuvor. Die junge Iuno spurtete die Treppen hoch, direkt in die Arme ihrer Mutter. Sibylla beugte sich, um ihre Tochter zu umarmen, ihre Hand hinter Iunos Kopf, die Stimme warm. „Meine Iuno war wie üblich toll.“ Natürlich war sie das. Iuno blinzelte voller Stolz. Großmutter Lilibet meinte, sie sei die begabteste Priesterin, die Septimont je gesehen hat. Aber … warum nur Priesterin? Warum konnte sie nicht in etwas anderes begabt sein?

Damals betrachtete Iuno Prophezeiungen noch mit unverfälschter, unschuldiger Neugier. Sie war zu jung, um zu erkennen, dass vom Schicksal begünstigt zu sein, an und für sich der Preis war.

Das Schicksal war es aber Leid, zu warten.

Iunos lächeln gefror. Sie erlebte, wie ihre Mutter zerfiel. Haut schmolz wie Wachs. Schwärze nagte an ihr, aber was floss, war kein Blut. Es war dunkler und dichter, brandete nach vorne, als würde es im nächsten Moment Iunos Augen überströmen.

Sie stolperte zurück und drückte ihre Augen fest zu. Es war zu dunkel, zu kalt, zu nah. Sie hing zitternd am Ärmel ihrer Mutter. Dann zwang sie ihre Augen erneut auf und alles war wieder normal. Die Flut des Schicksals war über sie hinweggefegt, plötzlich und unangekündigt. Sie wich aber ebenso so schnell wieder zurück und ließ nur den Hauch einer Berührung zurück.

Sie beschrieb wiederholt, was sie an jenem Tag sah. Aber ihre Mutter lächelte lediglich und strich ihr durch die Haare. „Schon gut, Schätzchen. Du hast genug gesehen.“

Und dann fiel ihre Mutter im Laufe einer Unterstützungsaktion der Dunkle Flut zum Opfer. Sie ertrank inmitten von endlosem Unrat. Diese tröstenden Worte versanken zusammen mit ihr und kamen nie wieder an die Oberfläche. Iuno erlebte jenen gewöhnlichen Tag immer wieder in ihrem Kopf. Wann hatte die graue, verkalkte Materie begonnen, über den Körper ihrer Mutter zu kriechen? Wann begann die Schwärze, zu fließen? Was war der Schlüssel?

„Wenn ich das gewusst hätte … hätte ich sie retten können?“
„Was, wenn … ich meine Augen nicht verschlossen hätte?“

Die junge Iuno stand erneut auf den Stufen der Steintreppe und blickte zurück. Sie öffnete die Augen weit und versuchte, zu erfassen, was sie verpasst hatte. Aber selbst jetzt, in einer Welt ohne Realität, sah sie nichts.

„Einen Versuch noch.“
Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, als würde sie sich in der feuchten Luft auflösen wollen. Vielleicht sprach sie mit sich selbst. Oder mit etwas ganz anderem.

„Bitte gib mir eine weitere Chance … Ich will sehen.“

Aber das Schicksal blickt nie zurück. Nur der Weg voraus verblieb. Mit Knochen überlagert, rief er mit jedem Schritt eine schattenhafte Figur zu sich, einen Schritt nach dem anderen.

Das war Iuno. Sie schritt voran. Langsam aber stetig erreichte sie die Stelle, wo ihre Mutter immer auf sie wartete. Da, wo ihr jüngeres Selbst stand. Die Anziehungskraft war nahezu lähmend. Schon bald würde alles möglicherweise zur Stille zurückkehren. Aber das war in Ordnung. Es blieb noch genug Zeit für eine Antwort.

Sie wurde aus den Tiefen gezogen. Und an diesem flüchtigen Moment entschied sie, etwas mit sich an die Oberfläche zu ziehen.

Iuno kniete nieder. Die Augen des Kindes waren aufgeweckt und mit Tränen erfüllt, die Wimpern zitternd, als liefen sie Gefahr, sich jederzeit von selbst wieder zu schließen. Sie streckte ihre Hand aus und tippte sanft auf die kleinen Augenlider.

„Dann schließ sie einfach nicht.“
„Egal wie dunkel, kalt oder nah … schließ sie nicht.“

Plötzlich kam Wind auf. Er erschien aus dem Nichts und floss über die höchsten Türme, durch die kleinsten Bäume und hielt eben dort, auf den geschichteten Stufen, an. Gerade genug, um die Tränen in Iunos Augenwinkeln zu trocknen.
Ich schenke dir die Verbitterung eines Mondbeobachters
Iuno erwachte erneut, wie aus tiefem Wasser gezogen.

Seit ihrer ersten Begegnung mit ihrem jüngeren Selbst, als sie ihre Frage beantwortet hatte, erlebte sie immer mehr ähnliche seltsame Erwachen.

Manchmal sah sie die Vergangenheit. Manchmal sah sie sich selbst. Aber meistens durchlebte sie alte Erinnerungen, als wären sie die Gegenwart. Sie musste dabei alle Strapazen erneut überstehen, immer und immer wieder, bis alles sich verlangsamte, die Stille sie verschlang und das nächste Erwachen kam.

Sie gewöhnte sich langsam an den Zyklus. Er kam ihr fast normal vor. Eine stille Absurdität verblieb jedoch. Niemand sonst erinnerte sich an diese Momente, denen jeder Sinn entnommen worden war. Und doch ließen sie sie nicht los, die Person, die entschied, zu verschwinden. Sie alleine musste in endlosen Zyklen die Last tragen. Ist dies ein grausamer Trick des Schicksals? Oder eine Strafe fürs Verschwinden.

Aber es gab keine Antworten. Sie erwachte erneut, was bedeutete, dass ein weiteres Fragment der Vergangenheit sie eingeholt hatte.

An jenem Tag war der Regen schwer und kalt, das hinderte die Menschen aber nicht daran, sich im Tetragon-Tempel zu versammeln. Sie waren gekommen, um die Ankunft des vor langer Zeit vorhergesagten Wunderkindes zu erleben, das schon bald eine Priesterin werden würde. An diesem Tag hörte Iuno mehr über Priesterinnen als je zuvor: Ehrfurcht, Verehrung und fantastische Gerüchte. Einige behaupteten, dass Priesterinnen einen Blick auf die ultimative Wahrheit erhaschen konnten und in der Verzweiflung ihrer letzten Atemzüge Perfektion entdecken könnten.

Immerhin waren Priesterinnen dem Schicksal, der Zukunft, dem Unbekannten und dem rechten Weg näher als jeder andere. Das alleine reichte, um Neid zu erzeugen. In Iunos Augen war die Hälfte dieser Behauptungen nichts als Lügen. Die andere Hälfte eine Wahnvorstellung. Denn in der Nacht vor eben diesem Tag, während sie sich im Garten mit anderen ausruhte, erlebte sie den Tod einer Priesterin.

Eine weiße Taube landete unter dem alten Lorbeerbaum. Das flattern ihrer Flügel war gerade so laut genug, um schwächelnde Seufzer zu übertönen. Die sterbende Priesterin wendete sich zu ihr und flüsterte mit schwacher Stimme:

„Du … bist nicht wie wir. Du konntest von deiner Geburt an sehen. Also geh. Sieh für uns.“

„Das werde ich.“, antwortete Iuno fast unhörbar.

Das war etwas, was sie tun konnte. Doch die Person, die ihr Versprechen hörte, würde dessen Einhaltung nie selbst erleben. Denn ja, selbst jene, die an der Seite von Schicksal, Zukunft und dem Unbekannten, das dazwischen lag, liefen, waren nicht immer stärker als andere Menschen. Sie sahen ihr eigenes Ende nicht immer. Und sie sehnten sich auch nach einer Antwort.

Prophezeiung war gleichermaßen Kette und Schlüssel. Iuno wollte den Schlüssel in den Händen halten. Wenn möglich, würde sie aber auch die Kette sprengen. Deswegen entschied sie sich dafür, eine Priesterin zu werden, ließ sich aber nicht von den Erwartungen anderer binden.

An diesem Tag trug sie nicht ihre zeremonielle Robe, sondern eine antikes Gewand, verziert mit Satin und Gold. Nicht als Bittstellerin des Schicksals, sondern als jemand, der ihm direkt in die Augen schaute. Sie schritt voran, Kandelaber in Hand.

Ein Flüstern fuhr durch die Menge. Ein Ältester, der starr an die Tradition hielt, murrte geringschätzig:
„Welch Unverfrorenheit … Wie kann es ihr nur so sehr an Bescheidenheit mangeln?“

Iuno hörte ihn. Und zum ersten und letzten Mal antwortete sie:
„Wer sieht, muss nicht niederknien.“

Sie erhob ihren Kopf. Ihre grau-blauen Augen waren im Licht der hohen Kuppel des Tempels so scharf wie Klingen, deren Glanz darauf hinwies, dass sie bereitwillig etwas spalten würden.

Nach diesem Tag begann ihre endlose Erforschung der Flut des Chaos, wo sie im Unbekannten nach Klarheit suchte. Sie sah mehr von der Zukunft. Fragmente, furchterregend und unvermeidlich. Sie gab diese Visionen weiter. Jene, die sie erhielten, behandelten sie wie heilige Schrift, eine Hoffnung, an der sie festhielten. Doch Iuno wusste es besser. Es waren nur flüchtige Eindrücke, kleinste Splitter des Schicksals, die durch die Risse gefallen waren.

Je mehr sie sah, desto klarer wurde ihr, dass diese Visionen Klingen gleichten. Wer sie führte, ohne etwas aufzuschlitzen, lief Gefahr selbst verletzt zu werden.

Iuno hatte seitdem nie ihre Augen geschlossen. Tief in sich spürte sie aber, wie etwas langsam an ihr zerrte.

Vielleicht war es eine Erinnerung.
Vielleicht war es der Name, den andere für sie benutzen.
Vielleicht war es nur der Teil von ihr, der jedes Mal etwas verblasste, wenn sie die Welt von zu nahem beobachtete.

Sie fürchtete sich aber nicht.

Sie stand im Wind Septimonts, Regen verfing sich, silbernen Fäden gleich, in ihren Wimpern.

Großmutter Lilibet sagte ihr einst, sie sei geboren worden, um alles zu sehen. Und das hatte sie. Doch jetzt wollte sie etwas anderes sehen:

Nämlich, ob sie die Klinge hinter sich lassen konnte und im Leben mehr erreichen könnte.
Mit Unsicherheit, mit Gefahr, mit Niederlage
Bevor die Hochflut so richtig aufwallte, war es Iuno, die als Erste, die verheerende Zukunft vorhersah.

Die unheilvollen Geschöpfe, die mit der Flut erschienen, waren so dunkel wie eine mondlose Nacht. Gladiatoren gaben im Kampf alles, wenn auch umsonst. Wann immer eine Waffe kurz davor war, eine Kreatur der Dunklen Flut niederzustrecken, löste deren Körper sich auf und kehrte zur Flut zurück, nur um kurz darauf wiedergeboren zu werden. Sie hinterließen nur eine Spur aus hämischem, gleißenden Schlamm unter den Füßen der Gladiatoren.

Einige Sachen in dieser Welt beugen sich deinem Willen nicht, nur weil du sie mit absoluter Klarheit sehen kannst.

Iuno schlief in jener Nacht kaum. In ihren Träumen waren es nicht diese Geschöpfe, die in der Dunklen Flut ertranken. Sondern sie. Die Flut füllte ihren Mund, ihre Nase und zog sie Stück für Stück weiter nach unten. Sie wusste nicht, wie tief es ging. Als ihre Füße endlich den Boden berührten, stand eine kältere, schärfere Version ihrer Selbst vor ihr.

„Glaubst du wirklich, dass zu sehen dasselbe ist wie zu retten?“
Die andere Iuno lächelte. Ihn ihren Augen spiegelten sich zahllose gebrochene Versionen von Septimont wider: verbrannt, versunken, wieder erbaut und erneut gefallen.
„Du siehst sie alle … nur nicht dich selbst.“

Iuno wollte antworten, doch kein Ton kam hervor.

Die Dunkle Flut wogte noch immer über den Plateaus. Gladiatoren stürmten immer und immer wieder erfolglos voran. Mehr und mehr Leute versammelten sich im Tetragon-Tempel, um von ihr und den anderen Priesterinnen eine Prophezeiung zu erhalten, etwas Nützliches. Sie sprachen davon, das Ende zu finden, indem sie dem Anfang folgen, davon, Ergebnisse zu ändern, indem sie Ursachen verstehen. Sie wollten das Schicksal zum Besseren wenden, doch Iuno brachte kein Wort heraus. Sie sah die Gestalt ihrer Mutter in die Dunkle Flut sinken. Sie sah Gebäude einstürzen und Menschenmengen fliehen. Jeder Pfeil aus ihrem Bogen wurde von Dunkelheit umfasst, bevor er sein Ziel fand.

Nichts hatte sich geändert. Sie konnte sehen. Doch mehr wollte ihr das Schicksal nicht erlauben.

Noch eine weiße Nacht. Erneut saß Iuno an ihrem Hellsehertisch. Wellen bewegten sich über das Wasser. In der Stille glaubte sie, ein Flüstern zu hören:

„Du kannst es alles sehen … doch wenn du nur beobachtest, was bist du dann?“

Einen Moment lang wallte jede Sekunde vorhergesagter Zukunft aus der Vergangenheit erneut in ihren Gedanken auf. Weisheit gemeißelt in stille Steinmauern. Zahllose Prophezeiungen enthüllt auf Schriftrollen. Fäden des Schicksalslichts umgarnten sie. Und sie hob ihren Blick dorthin, wo alles zusammentraf. Sie sah über sich das Spiegelbild des Mondes, er allein hat ihr je den Weg gewiesen. Vielleicht war er, was dem tiefen, unergründlichen Schicksal am nächsten war.

Er gab ihr keine Antworten. Dieses Mal war aber auch keine nötig.

„Wenn ich nicht ändern kann, was ich sehe … dann lasse mich es zerschmettern.“
Und so hob sie die Hand und durchtrennte es alles. Mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte und einem furchtlosem, trotzigem Lächeln zog sie den Pfeil zurück.

Der Pfeil schlug still ein, doch in diesem Moment zeigte er den einst verborgenen Pfad der Dunklen Flut und verband Septimont und dessen Schicksal. Zum ersten Mal konnten die Monster nicht entkommen, sondern wurden Stück für Stück zerrissen vom knisternden, blauweißen Licht.

Doch was war der Preis? Nach dem Kampf hoben die Leute in einem Lager auf den Plateaus voller Freude ihre Gläser. Um die knisternde Flamme vermischten sich die Stimmen von selbst zu größtem Jubel. Iuno blieb dem Trubel fern, fern der hellsten Flammen.

Jemand bemerkte sie.

„… Wer ist das?“
„Bist du dumm, oder was?“ Sie ist diese Priesterin … Moment, wie war ihr Name? Iuno?“
„Iuno die Priesterin? Du meinst das Wunderkind, von dem alle sprechen?“
„Seltsam. Wie kann es sein, dass ich ausgerechnet ihren Namen nicht kenne?“

Ein junger Gladiator näherte sich verhalten. Er hob sein Glas mit höflicher Vorsicht und unsicherer Stimme. „Du … du warst vorhin bei uns, ja? Egal, schließe dich der Feier an.“

Iuno runzelte lediglich wortlos die Stirn. Dann hob sie das Glas und stieß mit ihm an.

Später saß sie, fern dem Licht der Laternen, alleine am Ufer des Sees. Ihr Kinn ruhte auf ihren Knien und ihre Armbeugen dämpften ihr Lachen. Sie schaute zurück auf den Pfad, der hinter ihr lag und auf die Schatten, die ihr gefolgt waren. Einige verschwommen, andere bereits zerstreut. Sie hörte hinter sich die Rufe der Anderen, doch niemand rief sie beim Namen. Sie sah wie die Menschen, die einst ihre Blicke erwiderten, sich jetzt verwirrt und wie Fremde abwendeten. Vor nicht allzu langer Zeit, als sie ihre Prophezeiung verkündete, sprachen sie ihren Namen mit solcher Überzeugung aus, „Iuno“. Sie standen an ihrer Seite, bevor die ersten Pfeile flogen. Und doch schien alles zu schwinden, was sie durchlebt hatten, was sie überlebt hatten.

Ihre Finger fuhren über die Wasseroberfläche und die Wellen brachen ihr Spiegelbild. Sie sah sich selbst im Wasser. Ihr Umriss war klar und doch immer verschleiert. Sie streckte ihre Hand aus, versuchte, das Gesicht zu berühren. Als ihre Finger darüber streiften, erschauderte das Spiegelbild, als würde es zurückweichen.

„Bleib hier“, lachte Iuno dem Wasser zu. „Erkennst du mich auch nicht mehr wieder?“

Wellen spielten wieder auf der Oberfläche und das Spiegelbild schien zu antworten:
„Möchtest du, dass sie sich erinnern?“

Iuno sagte nichts. Sie bewegte nur erneut ihre Hand durch das Wasser in dem Versuch, das Bild klarer zu machen. Doch wühlte sie die Oberfläche nur noch mehr auf und zerstreute das Spiegelbild weiter.

„… Es spielt keine Rolle.“
Nach langer Stille murmelte sie sanft, warf dann ihren Kopf zurück und blickte auf den Mond. Er schwebte wie eine angenagte Silbermünze über ihr. Ein Symbol der Unvollkommenheit.

Iuno lächelte ihm zu, als würde sie endlich einen alten Rivalen grüßen.
„… Auch wenn du allein dich an mich erinnerst … genügt mir das.“
Tausendmal ist der Mond gefallen
Stille. Eintauchen. Einsamkeit. Erwachen.
In diesem endlosen Kreislauf findet sich Iuno manchmal in Momenten wieder, die kein Teil ihrer Vergangenheit sind.

In dieser sternlosen Nacht schien der Mond näher als je zuvor, so nahe, er hätte ihr an ihrem Platz oben auf dem Turm in die Hände fallen können. Sie wusste nicht, wie sei eingeschlafen war. Oder vielleicht schlief sie überhaupt nicht, sondern wurde vom Mondlicht nur in eine sanfte Illusion getragen, die sie sich nie erträumt hätte. Vielleicht eine stille Vergeltung für den Pfeil, den sie einst gen Himmel schoss … und für den Trotz, den sie einst auszusprechen wagte.

An diesem Ort gab es kein Dunkle Flut. Kein jüngstes Gericht. Nur ein seltsames und doch vertrautes Feld. Kinder rannten barfuß unter der Morgensonne. Rauch erhob sich in der Dämmerung. Ein Mädchen in ihrem Alter ruhte auf einem Ast eines üppigen Obstbaums. Mit baumelnden Beinen und sanfter Miene war sie frei wie ein Fisch, der im Sonnenmeer schwamm. Iuno konnte fast ihr Lächeln erkennen, das in Wellen auf dem Wasser tanzte.

„Siehst du?“, fragte der Mond mit warmer, süßer Stimme. „So kannst du auch ein Leben verbringen.“

Iuno antwortete nicht. Sie verfolgte einfach weiter, wie diese andere Version von ihr selbst einer fernen Person zuwinkte, vom Baum heruntersprang und unbekümmert ihren Rock ausschüttelte.

„Das bist du“, flüsterte die Stimme. „Das ist die Magie der Illusion. Du kannst Schnee und Meere sehen, die dir unbekannt sind … Leben, die du nie gelebt hast.“

Sie drehte sich um und sah den Mond hinter sich. Nicht länger nur ein stilles Schmuckstück am Himmel, sondern eher ein großes, ausgehöhltes Auge mit immerwährendem Blick.

„Es gibt nichts mehr, an das du dich klammern kannst“, sagte er mit sanfter, urtümlicher Stimme, wie der Feuerschein ihr einst die Prophezeiung überbracht hatte. „Warum bleibst du also nicht? Nein, es ist nicht echt. Doch was ist so schlimm an einem Moment der Freude? Warum bist du so grausam zu dir?“

Und dann spulte alles zurück.
Das allerletzte Ende. Das tausendste. Das hundertste … das zehnte … das erste.
Wenn sich jemand weit genug rückwärts bewegt, jede Schwelle zurück zum Anfangspunkt überwindet, liegen dazwischen nur noch Zahlen, die schnell umgeschrieben sind.

Die andere Version von ihr rannte lachend über das Feld, ein Korb voller Obst verstreute sich zu ihren Füßen. Sonnenlicht umarmte sie wie eine Schleife. Ihre Begleiterin schritt auf sie zu. „Sollen wir heute an die Küste gehen?“ fragte sie, als wäre es eine ganz normale Sache.

„Hast du je erwägt“, murmelte der Mond, „dass alles, was aus dir geworden ist, deshalb geschah, weil du von Beginn an die Prophezeiung erfüllen musstest? Dass du nie wirklich eine Wahl hattest? Aber … was, wenn es nicht so war?“

„Du weißt, dass es nicht echt ist“ sagte Iuno leise, ihr Blick auf den Mond gerichtet, der jetzt seltsam klar am blauen Taghimmel sichtbar war.

„Und du weißt, dass du niemals zurückkehren kannst“, antwortete er. Nicht gefühllos, sondern sanft überzeugend.
„Alles was dir gehörte, ist begraben. Du gehörst an diesen Ort, jetzt und jeden kommenden Tag“, sprach der Mond. „Selbst jetzt, in dieser Illusion, weigerst du dich, dich selbst zu vergessen. Du klammerst dich an deine Vergangenheit, erlaubst dir nicht, ein neues Leben zu begrüßen. Solch törichte Sturheit.“

Iuno sagte nichts.
Sie blickte auf ihre Handfläche. Kein Bogen. Nur ein Bündel junger Wildblumen.

Nach langer Pause zeigte sie kurz ein schiefes Lächeln. „Und du bist so wie ich“, sagte sie. „Stur.“

Sie schaute wieder ihr anderes Selbst an. Das Mädchen schlenderte jetzt eine lebhafte Straße entlang und hielt lachend vor einem Schaufenster inne.

„Bist du einsam?“ fragte der Mond.
Iuno neigte den Kopf. „Vielleicht … ein bisschen“ gab sie zu.
„Willst du diese Einsamkeit nicht mit jemandem teilen?“
„Ich würde nur zerbrechlich erscheinen.“
„Würdest du es dann leugnen?“
„Das ist nur eine andere Art der Zerbrechlichkeit.“
„Und?“

Sie entgegnete flüsternd: „Dann akzeptiere ich es. Ich trage es durch die Nächte, an die nur ich mich erinnere.“

Sie betrat den Laden und sah, wie die andere Iuno vor einem Spiegel ihr Haar richtete.
Sie näherte sich, streckte die Hand aus und schob die losen Strähnen sanft hinter das Ohr der anderen Iuno, wie ihre Mutter es früher tat. Sie hielt einen Moment inne und legte die Blumen dann in die Hände der anderen Iuno.

„Du bist wunderbar“, sprach sie mit sanfter Stimme. „Ich könnte aber niemals du sein. Schon so lange nicht mehr.“

Dann drehte sie sich um und ließ den Laden und die Illusion hinter sich, die der Mond für sie gewoben hatte. Das Mondlicht streckte ihren Schatten über den Boden aus, ein letzter Versuch, sie zurückzuholen. Doch Iuno lief weiter. Langsam. Stetig. Ohne sich umzudrehen. Hinter ihr versuchte der Mond es ein letztes Mal.

„Weißt du“, sagte er, „manchmal … bemitleide ich dich wirklich. Du bist so stur. Willst dich nicht beugen.“

Dann soll er sie bemitleiden. Es kümmert sie nicht. Denn das Leben ist nur ein Spiel. Egal, wer ihr gegenüber am Tisch sitzt, sie will gewinnen. Jedes Mal.

Sie hat es bis hierhin geschafft, sie wird nicht aufgeben. Auch nicht gegen sich selbst.
Endlich beginnt der Zyklus erneut
Wie schon so oft zuvor erwacht Iuno, als ob sie aus dem tiefen Wasser emporgezogen wird.

Sie hat diesen sinnlosen, grausamen Kreislauf satt. Sie empfindet nichts für ihre Vergangenheit. Sie kann aber nicht aufgeben, denn jetzt versteht sie zumindest, wo sie ist: Sie treibt im Chaos zwischen Existenz und Verschwinden. In der Welt, aus der sie einst kam, ist ihr Name längst vergessen. Für jede Kreatur der Dunklen Flut, die sie verankert hat, wurde ein Stück von „Iuno“ entfernt. Dieses Ende war ihre Wahl. Ein Ende ohne Rückweg.

Deshalb schreitet sie voran.

Sie treibt von einem zerbrochenen Kreislauf zum nächsten, wechselt von einem geliehenen Selbst zum nächsten, bis sich ihr plötzlich eine Hand entgegenstreckt. Und zum ersten Mal spürt sie die Wärme einer anderen Person.

{Male=Der;Female=Die} Ungeschriebene. Das erste Wesen in diesem Chaos, das keines ihrer Echos ist.
{Male=Er;Female=Sie} sieht sie, wie sie ist, gefangen zwischen Mondlicht und Dunkler Flut.

„… Iuno.“

Alles ändert sich in dem Moment, als {Male=er;Female=sie} ihren Namen spricht. {Male=Er;Female=Sie} erinnert sich. Und deshalb tut sie es ebenfalls. Zwei Ausnahmen an einem Ort, an dem Erinnerungen nicht existieren dürfen. Und plötzlich erscheint ihr das Chaos nicht mehr endlos.

„Wo bringst du mich hin?“ {Male=Der;Female=Die} Ungeschriebene läuft mit leiser Stimme an ihrer Seite, wie ein Stein, der sanft das Wasser berührt.

Iuno lächelt schwach. „Um etwas zu Ende zu bringen. Oder vielleicht … neu anzufangen.“

Ihre Wege trennen sich, nur um sich bald wieder auf dem Schlachtfeld zu kreuzen, wo alles begann. Dort, unter gebrochenem Mond, liegt das Zeichen ihres Opfers. Ein Zeugnis, das das Schicksal nicht verbergen konnte. Eine schmale Naht, durch die sie schreiten konnte.

„Wenn du hindurchgehst, kehrst du zu diesem Moment zurück. Mit {Male=ihm;Female=ihr} verankerst du dein vergessenes Selbst. Doch alles, was du zuvor verankert hast, alles was du verankern wolltest, auch das Schicksal selbst, wirst du erneut verankern müssen. Ist dir klar, was das bedeutet?“

Sie hört sich selbst. Es klingt wie eine Warnung oder eine Überredung.

Iuno blickt auf und schaut den Mond direkt an.
„… Das tue ich.“

Sie spricht fast lässig. Ihre Miene ist aber vertraut und stolz wie immer.

„Früher dachte ich, wenn ich mehr sehe, mehr vorhersage, kann ich etwas ändern. Dass ich mit Wissen auch Macht erlange. Doch je mehr ich sah, desto mehr wurde ich davon gefangen.“

{Male=Der;Female=Die} Ungeschriebene beobachtet sie still.

Iuno hebt die Hand. Die verbleibenden Spuren ihrer Vergangenheit sammeln sich in einer einzelnen Form und enthüllen einen weiteren Mondpfeil. Die Befiederung glänzt silbern und sanft blau, sie wirkt wie die Stille vor der Dämmerung.

„Lass uns diesmal die Reihenfolge ändern“, sagt sie und spannt die Bogensehne. Ihre Augen zeigen weder Trauer noch Abneigung. „Zuerst verankere ich mich selbst. Dann alles, was versucht, zu fliehen. Und danach … Mache ich neue Erfahrungen.“

Sie spannt ihren Bogen.

Der Mondpfeil glänzt dem Vollmond gleich, als er auf die zerstörte Mauer zufliegt. Der Wind weht durch ihr Haar, doch ihr Atem ist stetig. {Male=Der;Female=Die} Ungeschriebene sieht ihre Silhouette auf die Mauer geworfen und einen Herzschlag lang scheint es, als wäre der Mond vollständig.

Dann fliegt der Pfeil ohne ein Geräusch. Licht entspringt dem gebrochenen Mond und fließt wie eine umgekehrte Flut zurück. Sie bricht über sie herein, ertränkt und hebt sie zugleich. Namen einst verloren und Schatten einst verschlungen vom Schicksal kehren zu ihr zurück, erneut verankert durch einen einzelnen Schuss.

Zeit vergeht.

Als sie endlich aus der Leere endloser Möglichkeiten schreitet und in die Welt der Feierlichkeiten zurückkehrt, fallen Blütenblätter wie Regen vom Himmel.

Im Feuerschein hebt jemand ein Weinglas und weckt ihre Aufmerksamkeit. Er blinzelt verwirrt.

„Du bist, ähm … Wie seltsam. Ich glaube nicht, dass wir uns je begegnet sind, aber … kennen wir uns?“

Iuno runzelt wie zuvor wortlos die Stirn. Sie hebt ihr Glas und stößt mit ihm an.

Nach dieser Nacht erinnerte sich niemand an das Mädchen, das einen Pfeil durch das Schicksal schoss. Doch von diesem Moment an ist Iunos Mond nicht länger einer, der nur zu- und abnimmt. Er dreht sich immer und immer wieder, doch ist es keine Wiederholung, sondern Erneuerung.

Sie hat dem Kreislauf ihre eigene Bedeutung verliehen. Und jetzt setzt er sich fort, stets im Wandel, stets ihrer.

Iuno Sprachaufnahmen

Gedanken: I
Eine Leere … Ich war erstaunt, als ich hörte, wie Großmutter Lilibet dich so beschrieb. Wir Priesterinnen huldigen den Heiligen Flammen, denn ihr Licht gewährt uns die Offenbarung. Wo immer es scheint, entstehen Schatten und Reflexionen. Aber eine Leere … Könnte damit eine Barriere gemeint sein, oder vielleicht eine Art Täuschung, die sich nicht zeigen will? Verkörperst du als {Male=der Ungeschriebene;Female=die Ungeschriebene} äußerste Unberechenbarkeit oder absolute Leere? Erst jetzt, da ich den Weg mit dir beschreite, verstehe ich. Diese Leere ist nichts Finsteres. Sie ähnelt Chaos, aber sie ist anders. Sie bietet zahllose Möglichkeiten, die darauf warten, gewählt zu werden.
Gedanken: II
Sehen ist einfach. Aber sich dem zu stellen, was man sieht, ist es nicht. Es mag ein Segen sein, die Zukunft zu sehen, aber es ist ein wahrer Fluch, ihr wissentlich ausgeliefert zu sein. Doch ich werde das vorherbestimmte Ende nicht akzeptieren. Nur die Schwachen sehen einfach nur untätig zu … Ich muss versuchen, etwas zu verändern. Selbst wenn ich mir dieselbe schmerzliche Wahrheit immer wieder ansehen muss. Selbst wenn der Kampf nie endet. Selbst wenn ich dem Schicksal nur einen winzigen Kratzer verpassen kann.
Gedanken: III
Was würde passieren, wenn ich diesen Pfeil abschießen würde? Nun, irgendwie wusste ich es. Meine Existenz … würde enden oder aus den Erinnerungen anderer verschwinden. In den Jahren, in denen ich mit dem Mondpfeil die Schöpfungen der Dunklen Flut markiert und enthüllt habe, habe ich das oft erlebt. Der Preis war immer gering und die Reaktionen kaum wahrnehmbar. Im schlimmsten Fall verschwammen die Erinnerungen der Leute an mich für ein paar Tage und ich musste sie daran erinnern, wer ich war … Damit kann ich leben. Und zu diesem Preis das ganze Ende umschreiben? Ein wahres Schnäppchen, nicht wahr?
Gedanken: IV
Wer sich erinnert, leidet manchmal mehr als diejenigen, die vergessen. Erinnerungen sind eine Last, eine Verpflichtung, standhaft zu bleiben und weiterzumachen, wenn man lieber nachgeben würde. Vergib mir … Damals wusste ich nicht, dass eine Rückkehr in die echte Welt überhaupt möglich war. Deshalb erscheint mein selbstgerechter Wunsch, dass du dich an mich erinnerst, noch eigensinniger … Aber ich würde alles wieder genauso machen … Wenn irgendjemand sich an mich erinnern und einen Teil von mir am Leben halten soll, dann du.
Gedanken: V
Was soll ich jetzt tun? Ich habe mich noch nicht entschieden. Ich habe so lange in die Zukunft gesehen, dass es sich seltsam anfühlt, in der Gegenwart zu leben. Aber jetzt sind Septimont und ich in derselben Situation. Keine Ketten mehr. Keine Grenzen mehr. Nur endlose Möglichkeiten, die sich uns bieten. Warum sollte man es bei so vielen Wegen eilig haben, den „besten“ zu finden? Ich tue einfach, was sich richtig anfühlt, und nehme mir, was ich wirklich will … Und jetzt ist es das, was ich will. So viel steht fest.
Iunos Hobby
Ich liebe Überraschungen. Das Schicksal kann zugleich großzügig und knauserig sein. Um es zu überlisten und für „Unfälle“ zu sorgen, ist harte Arbeit nötig. Zahllose Vorbereitungen, endlose Berechnungen … Erst dann kann man etwas völlig Unerwartetes wahr werden lassen. Vor solchen außergewöhnlichen Leistungen, wie groß oder klein sie auch sein mögen, habe ich den allergrößten Respekt.
Iunos Problem
Mich mit weniger zufriedengeben? Nein. Kommt gar nicht in Frage. Es muss immer die beste Wahl sein … Wie andere die Dinge handhaben, ist nicht mein Problem, also ist es mir völlig egal, was sie sagen.
Lieblingsessen
Eine perfekte reife Frucht, prall und frisch, die geradezu darum bettelt, gegessen zu werden. Man muss sie nicht einmal selbst pflücken. Man stellt sich einfach unter den Baum und sie fällt einem direkt in die Hände. Beim Reinbeißen strömt die kühle, saftige Süße aus dem Fruchtfleisch … Wollen wir gemeinsam eine probieren?
Ungeliebtes Essen
Proteinreiche Gerichte sollten fettarm, leicht gewürzt und frei von jeglichen Wild- oder Fischaromen sein. Und labberiges Gemüse? Kommt überhaupt nicht in Frage … Ganz zu schweigen von klebrigem, matschigem Essen. Das hat überhaupt keinen Biss! Außerdem … Warum siehst du mich so an? Ich bin noch nicht fertig!
Ideale
Gegen das Schicksal ankämpfen? Nicht wirklich. Letztendlich wähle ich nur die Freiheit, die ich wollte. Wenn das Schicksal den Leuten nicht gibt, was sie sich wünschen, müssen sie es sich selbst holen. Ich bin nun mal gierig und unverhohlen. Ich nehme mir, was ich will, auf ehrliche und würdevolle Weise … Und alles hat natürlich seinen Preis.
Chat: I
Dieser aus Lunarumbaum gefertigte Bogen ist das Letzte, was mein Vater mir hinterlassen hat. Ich bekam ihn kurz nach meinem Entschluss, Priesterin zu werden und zum Vierecktempel zu gehen, und dachte damals nicht, dass ich ihn brauchen würde. Doch mit der Zeit wurde mir klar, dass ich mein Schicksal selbst in die Hand nehmen musste, anstatt nur zu einer höheren Macht zu beten. Und nun bestimmt diejenige, die immer nur der Führung des Mondes gefolgt ist, seine Phasen. Dieser „Mondbogen“ ist seit Langem in meiner Geschichte verwurzelt und verknüpft meinen Anfang mit meinem Ende.
Chat: II
Genau wie Großmutter Lilibet vorhergesagt hat, bin ich … Moment mal, hast du nicht bereits meine gesamte Vergangenheit im Chaos gesehen? Es ist so seltsam, zu wiederholen, was andere bereits wissen … A-Aber egal! Ich erzähle es dir noch mal … Aber nur, weil ich gnädig bin! Wie gesagt, erzähle niemandem davon! Und wage es nicht, auch nur ein Wort davon zu vergessen!
Über Augusta
Hier ist ein kleines Geheimnis, das nicht einmal Augusta kennt. Bei unserer ersten Begegnung erzählte ich ihr, dass sie Septimont in ein neues Zeitalter führen würde, und sie hielt es für eine meiner Prophezeiungen. Aber in Wirklichkeitwar es nur ein Bauchgefühl. Ich blicke nie in ihre Zukunft, weil sie immer in ihren eigenen Händen liegt. Sie ist eine Herrscherin, die für ihr Volk alles opfern würde, selbst ihr eigen Fleisch und Blut. Das sieht man auf den ersten Blick. Doch die Art von Verantwortung, die sie trägt, ist unvorstellbar groß. Obwohl ich weiß, dass sie es auch allein schafft, möchte ich ihr irgendwie helfen. Als Priesterin, als Freundin … oder vielleicht sogar als jemand, den sie vergessen hat.
Über Lilibet
Nach ihrer Prophezeiung über mich brachte Großmutter Lilibet mich zum Vierecktempel, um mir alles über das Schicksal beizubringen. Ich bin nicht gerade gehorsam und sie hat eine eher autoritäre Vorstellung von den Erwartungen an eine Priesterin von Septimont. Wir waren uns selten einig, was eine gute Priesterin ausmacht oder wie man mit Schicksal und Prophezeiungen umgehen sollte. Aber sie hat mir nie ihre Ansichten aufgedrängt oder erwartet, dass ich wie sie oder andere Priesterinnen werde. Sie sagte, dass Regeln nur wichtig sind, wenn sie es wert sind, befolgt zu werden, und dass man immer frei entscheiden kann, solange man anderen nicht schadet … Sie brachte mir bei, dass Priesterinnen nicht nur Symbole, sondern eigenständige Persönlichkeiten sind.
Über Lupa
Jeder, der ihre Wettkämpfe gesehen hat, spürt vermutlich den Drang, sie herauszufordern, meinst du nicht? Ihre Leidenschaft für den Wettkampf ist wirklich außergewöhnlich … Einfach, unverfälscht und aufrichtig. Für sie sind Siege und Ruhm nur das Sahnehäubchen verglichen mit der Freude am Kampf. Sie hat keine Angst vor dem Verlieren, aber ihre Leidenschaft treibt sie an, immer alles zu geben und niemals aufzugeben.
Über Avidius
Er brüllte dem Schicksal aus Leibeskräften entgegen. Das Brüllen wurde zwar schnell zu einem Wimmern, gefolgt von Stille, aber wir haben es alle gehört. Es hat Eindruck hinterlassen … Ich glaube, er ähnelt eher dem Helden der Helden, wenn er nicht darüber nachdenkt, was das bedeutet oder was andere von ihm erwarten.
Über Carlotta
Sie und ihre Familie bringen immer etwas Neues nach Septimont und Ragunna, auch für sich selbst. Und ehe man sich versieht, starten diese kleinen Neuheiten einen ganz neuen Trend … Ich? Ja, ich folge dem Trend normalerweise auch. Es ist schwer, zu widerstehen. Sie hat immer das, was mir gefällt. Diese Montellis sind gewieft wie eh und je!
Geburtstagswünsche
Für eine Priesterin ist der Tag der Geburt der Anfangspunkt, der sich bis zum Ende ausdehnt. Hmm, ein passender Satz, um eine Prophezeiung zu beginnen. Aber die unendlichen Möglichkeiten der Leere sind bereits perfekt. Ich kann nichts mehr hinzufügen. Also habe ich etwas anderes vorbereitet. Siehst du diesen kleinen Mond? Er kann seine Phasen wechseln. Nimm ihn und platziere ihn in deiner Leere. Falls du jemals von den unendlichen Wegen überwältigt bist, dient er zumindest als sicherer Anker … Alles Gute zum Geburtstag, {PlayerName}.
Entspannen: I
*Emotion*
Entspannen: II
Hmm … Perfekt.
Entspannen: III
Ein wahrer Ohrenschmaus, hm?
Selbstvorstellung
Iuno, das Wunderkind, das unter der Mondfinsternis geboren wurde. Die Priesterin, die die wahre Zukunft sieht. Neugierig, was bevorsteht? Komm zu mir … Aber ich verspreche dir nicht die Perfektion, die du dir erhoffst.
Begrüßung
Jenseits von mir, jenseits von Anfang und Ende, bis … das Morgen neu geschrieben ist.
Beitritt zum Team: I
Sehr gut. Ich werde dir Inspiration geben.
Beitritt zum Team: II
Oh. Was wirst du ohne mich tun?
Beitritt zum Team: III
Ich bin der Mond, der niemals untergeht. Ich bin hier, um das Ende umzuschreiben.
Aufstieg: I
Meine Macht manifestiert sich wie meine Emotionen, Erinnerungen und Verbindungen … Du bist ziemlich geschickt mit dem Anker geworden, nicht wahr?
Aufstieg: II
Von einem Mond zum anderen, durch endlose Phasen … bis über den messbaren Bereich hinaus.
Aufstieg: III
Bist du dir sicher? Du gibst meinem Eigensinn nach? Nur damit du es weißt, wenn wir so weitermachen, landen wir vielleicht … in einer unbekannten Zukunft, die unheimlicher ist als das Chaos!
Aufstieg: IV
Kann ich mir etwas anderes wünschen als Macht? Denk gut nach, bevor du antwortest. Sobald du es aussprichst, werde ich nicht ruhen, bis ich es habe.
Aufstieg: V
Ich sehe kalte Flammen jenseits der Vernunft. Ich sehe Vollkommenheit, die aus dem zerbrochenen Ende hervorgeht. Ich sehe Chaos. Ich sehe Illusionen. Ich sehe Wahrheiten. Ich sehe … dich, der du den Mond gefangen hast.
Schwerer Angriff: I
Unterhalte mich.
Schwerer Angriff: II
Lobe mich.
Schwerer Angriff: III
Sieh mich an.
Schwerer Angriff: IV
Suchen.
Schwerer Angriff: V
Nehmen.
Schwerer Angriff: VI
Entscheiden.
Resonanz-Skill: I
Abnehmen.
Resonanz-Skill: II
Zunehmen.
Resonanz-Skill: III
Zyklus.
Resonanz-Skill: IV
Ich bin der Mond.
Resonanz-Skill: V
Verneige dich vor mir.
Resonanz-Skill: VI
Bring deine Opfergaben dar.
Resonanz-Skill: VII
Sei meine Sehne.
Resonanz-Skill: VIII
Sei mein Ziel.
Resonanz-Skill: IX
Sei meine Beute.
Resonanz-Skill: X
Kausalität … aufgehoben.
Resonanz-Skill: XI
Zukunft … umgeschrieben.
Resonanz-Skill: XII
Schicksal … enthüllt.
Resonanzbefreiung: I
Spüre meine Entschlossenheit!
Resonanzbefreiung: II
Antworte meinem Ruf!
Resonanzbefreiung: III
Der Mond ist voll!
Intro-Skill: I
Ich werde nachsichtig mit dir sein.
Intro-Skill: II
Mit Stil und Anmut …
Intro-Skill: III
Sieh genau hin.
Outro-Skills: I
Jetzt bin ich mit Zuschauen dran.
Outro-Skills: II
Ich hatte meinen Spaß.
Outro-Skills: III
Mit Vergnügen.
Outro-Skills: IV
Auf den Helden der Helden.
Outro-Skills: V
Vermisst du mich schon?
Outro-Skills: VI
Wir baden im Ruhm.
Getroffen: I
Unsinn.
Getroffen: II
Wie überheblich.
Getroffen: III
Hehe. Das ist gar nichts.
Verletzt: I
Ist das alles?
Verletzt: II
Du willst mich testen? Unverschämtheit.
Verletzt: III
Stell dich mir … voll und ganz.
Gefallen: I
Nein. Ich … werde nicht aufgeben!
Gefallen: II
Ich habe … meine Spuren hinterlassen …
Gefallen: III
Der Mond … fällt.
Echo-Beschwörung
Du bist dran.
Echo-Verwandlung
Überraschung!
Feinde in der Nähe
Ich werde Zeuge sein.
GLEITEN
Erobern wir den Mond.
SENSOR
Vorhersehbar.
SPRINTEN
Dranbleiben.
Vorratstruhe: I
Schon besser.
Vorratstruhe: II
Eine wohlverdiente Belohnung.
Vorratstruhe: III
Gefällt es dir? Ich habe jede Menge davon.
Vorratstruhe: IV
Ein unerwartetes Geschenk? Das Schicksal kann manchmal großzügig sein.